ticket2nature
DAS PROJEKT

Konzept

Ziel des Projekts ist es, zusammen mit den Jugendlichen einen persönlichen Zugang zur Natur, ihrer Umwelt und der Kultur zu entwickeln, genauso wie zu einem gesunden Lebensstil und einer nachhaltigen Freizeitgestaltung.

Das ist die Idee von ticket2nature: Durch einzigartige Sport- und Naturerfahrungen sammeln Schüler*innen in speziell dafür konzipierten Winter- und Sommercamps pädagogisch wertvolle Gruppenerfahrungen und lernen spielerisch Aspekte der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Dabei stehen die ökonomischen, ökologischen und sozialen Beziehungen zwischen dem Menschen, seinen Aktivitäten und den Anforderungen an Natur- und Umweltschutz im Vordergrund.

Seit 2013 haben über

Schüler*innen an über

ticket2nature-Camps teilgenommen.

Unsere lehr-lern-Prinzipien

1. Erfahrungs- und Handlungsorientierung

Erfahrungen bilden die Grundlage dafür, anschließende Handlungen beurteilen und das eigene Handeln danach ausrichten zu können. ticket2nature setzt an diesem Punkt an und vermittelt den Jugendlichen realitätsnahe Erfahrungen, die sie zur Beurteilung folgender Handlungen anwenden können. Frei nach Konfizius: „Ich höre und vergesse, ich sehe und behalte, ich handle und verstehe.“ Oder wie es Kurt Hahn formulierte: „Lernen mit Kopf, Herz und Hand.“

2. Wagniserleben und Risikobewusstsein

Die Natur bietet eine Vielzahl von Wagnissen und Risiken. Kein Wagnis aber soll die physische und psychische Unversehrtheit der Teilnehmer*innen verletzen. ticket2nature fördert das Risikobewusstsein über die Aktionen der Camps hinaus.

3. Vernetztes Denken und Mehrdimensionalität

Natur und Umwelt sind komplexe biologische Systeme. Daher ist vernetztes Denken wesentlich. Wissen über einzelne Vorgänge reicht nicht aus, vielmehr müssen die vielfachen Wechselwirkungen gelehrt und verstanden werden, wobei zu beachten ist, dass das kognitive Verstehen allein nur einen geringen Bezug zum Handeln hat. Das Verhalten wird vor allem durch Emotionen und Einstellungen geprägt.

4. Wertorientierung

ticket2nature vermittelt klare Werte im Umgang mit anderen Menschen, der Natur und dem eigenen Ich. In einer konsumorientierten Welt setzt ticket2nature auf bewussten Konsum, auf Fairness und Gerechtigkeit, auf Bewahrung des Ökosystems unseres Planeten sowohl innerhalb der eigenen Gesellschaft als auch im globalen Maßstab.

5. Kognitive Meisterlehre und Verständigung

Mit Hilfe der kognitiven Meisterlehre zeigen die Teamer*innen von ticket2nature angemessenes Verhalten auf und sind Vorbild dafür, während anderes Verhalten thematisiert und in der Gruppe selbstständig verändert wird. Eigenes Verhalten wird reflektiert und unter EInhaltung der Prinzipien der Nachhaltigkeit verhandelt.

6. Rationale Entscheidungfindung

Alle angestrebten Handlungsweisen oder Verhaltensänderungen erfodern keine einschneidenden Lebensumstellungen oder einen besonderen Zeitaufwand der Teilnehmer*innen, sind also im Rahmen der Entscheidungsmöglichkeiten rational.

„Eine intakte Umwelt ist die Basis für den Schneesport. Auch wir Snowboarder*innen bewegen uns im Ökosystem ‚Berge‘. Gerade die Trainings- und Wettkampftage auf den Gletschern führen uns die Auswirkungen des Klimawandels vor Augen! Ich finde es super, dass ticket2nature die Schüler*innen zu einem zukunftsfähigen und überlegten Leben motiviert, auch im Sport!“

Amelie Kober

Olympia-Zweite im Snowboard Parallel-Riesenslalom

Hintergrund

Die Bedeutung von Naturerfahrung

Kinder, die sich in der Natur aufhalten, dort spielen oder Sport treiben, sammeln Wissen über ihre Umwelt und die Bedeutung von natürlichen Ressourcen. Wer die Natur selbst kennen und ihren Reichtum schätzen lernt, kann umweltbewusst und nachhaltig leben und handeln. Für entsprechende Impulse reichen schon einfache Naturerlebnisse aus.

Studien zeigen die wohltuende, entspannende Wirkung der Natur auf die Psyche des Menschen. Natursport ist der Gesundheit besonders dienlich, da nicht nur der Körper gefordert und gestärkt wird; auch die Psyche kann durch den Aufenthalt in der Natur „auftanken“. Die Erholung kommt insbesondere durch das „Draußen-sein“ zustande, positive Emotionen und die Physiologie werden gestärkt. Diese Veränderungen gehen mit einer verstärkten Aufmerksamkeit und Wahrnehmung einher, die wiederum Unmuts- und Stressgedanken reduzieren. 1, 2, 3, 4

Bewegung und Gesundheit 

Viele Kinder und Jugendliche in Deutschland bewegen sich zu wenig und ernähren sich unbewusst. Daraus resultieren motorische Defizite, Haltungsschwächen, muskuläre Dysbalancen und Übergewicht. Bewegungsmangel beeinflusst auch die Psyche und kann zu Bewegungsunlust, emotionaler Labilität sowie zu Konzentrations- und Antriebsstörungen führen.

Bewegung tut gut – sowohl für die intellektuelle als auch für die motorische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Das gilt insbesondere für Bewegung in der Natur, die gleichzeitig für unsere Umwelt sensibilisiert.

%

der 3 bis 6 jährigen

%

der 7 bis 10 jährigen

%

der 11 bis 13 jährigen

%

der 14 bis 17 jährigen

bewegen sich mindestens 60 Minuten pro Tag.5

Anteil der 3- bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen aller Geschlechter, die mindestens 60 Minuten pro Tag mäßig bis sehr anstrengende körperliche Aktivität ausüben. Dies entspricht der Mindestempfehlung der Weltgesundheitsorganisation.

Bildung für nachhaltige Entwicklung

Das Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung wird von der Deutschen Bundesregierung maßgeblich unterstützt. Die Umsetzung von BNE wird seit 2015 federführend von Bundeministerium für Bildung und Forschung koordiniert.

Bildung für nachhaltige Entwicklung – oder kurz BNE – soll Menschen zu zukunftsfähigem Denken und Handeln befähigen. Sie hilft jedem Einzelnen dabei, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen. Dabei wird nicht nur Grundlagenwissen vermittelt; es werden Kompetenzen für einen nachhaltigen Lebensstil gefördert und geschärft. So wird es dem Individuum ermöglicht, sein eigenes Leben in einem überschaubaren und begrenzten Umfeld bewusst und langfristig zukunftsverträglich zu gestalten.

Das übergeordnete Ziel der Bildung für nachhaltige Entwicklung ist, dass „Menschen weltweit, gegenwärtig und in Zukunft, würdig leben und ihre Bedürfnisse und Talente unter Berücksichtigung planetarer Grenzen entfalten können.“6 Dabei bedarf es neben einer gesellschaftlichen auch einer wirtschaftlichen Transformation, denn Nachhaltigkeit setzt eine Wirtschaftsweise voraus, die „weltweit die Bedürfnisse der heutigen Generation zu decken vermag, ohne für zukünftige Generationen die Möglichkeit zu schmälern, ihre eigenen Bedürfnisse zu decken.“7

Das Konzept BNE beschreibt eine ganzheitliche und transformative Bildung, die sowohl Lerninhalte und -ergebnisse, als auch die Pädagogik und die Lernumgebung berücksichtigt. Bildung für nachhaltige Entwicklung hilft uns dabei, gemeinsam die schwerwiegenden Fragen unserer Zeit zu diskutieren. Weltweite Herausforderungen wie Armut, Pandemien oder der steigende Meeresspiegel betreffen uns alle – lass‘ uns sie gemeinsam angehen!

Die 3 Dimensionen der Nachhaltigkeit

Die Weltgemeinschaft hat im Jahr 2015 die Agenda 2030 mit 17 globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung verabschiedet. Auch die Bundesregierung sieht Bildung für nachhaltige Entwicklung als einen Katalysator zum Erreichen der Ziele:

Initiatoren & Partner

Das Projekt wurde von der Stiftung Sicherheit im Skisport (SIS) initiiert und wird von ihr maßgeblich getragen. Die Projektleitung liegt bei  Prof. Dr. Ralf Roth. Für die Realisierung und Weiterentwicklung des ticket2nature-Konzeptes und die Ausbildung der  Teamer*innen sind SIS und DSV-Umweltbeirat sowie die Deutsche Sporthochschule Köln (Institut für Outdoor Sport und Umweltforschung) verantwortlich.

Institut für Outdoor Sport und Umweltforschung

Das Projekt wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert und wurde als offizielles Dekade-Projekt der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung 2005-2014“ ausgezeichnet. Es wurde in die „Allianz Nachhaltigkeit lernen“ aufgenommen. Auch das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg unterstützt ticket2nature.

Weiterhin war das Projekt in den Umwelt- und Nachhaltigkeitskonzepten der FIS Alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Garmisch-Partenkirchen 2011 und in der Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2018 in München fest verankert. Im Rahmen der IBU WM Biathlon 2012 in Ruhpolding ist ticket2nature ebenfalls integriert.

Wir danken unseren Partnern und sponsoren

Quellen

1. Bauer, N., Martens, D. (2010). Die Bedeutung der Landschaft für die menschliche Gesundheit – Ergebnisse neuster Untersuchungen der WSL. Forum für Wissen 2010: S. 4 – 51.

2. Bowler, D., Buyung-Ali, I., Knight, T. und Pullin, A. (2010). A systematic review of evidence for the added benefits to health of exposure to natural environments. BMC Public Health 10: 1–10

3. Rohde C. und Kendle, A. (1997). Nature for people. In Kendle, A. und Forbes, S. (eds) Urban Nature Conservation – Landscape  Management in the Urban Countryside. E. und F. N. Spon, London, S. 319–335.

4. Ulrich, R., Dimberg U. und Driver, B. (1991) Psychophysiological indicators of leisure benefits. In Driver, B., Brown, L. und Peterson, G. (eds) Benefits of Leisure. Venture Publishing, State College, Pennsylvania, S. 73–89.

5. Robert Koch-Institut (RKI) (2020). AdiMon-Themenblatt: Körperliche Aktivität (Stand: 1. Juli 2020). Zugriff am 30.11.2022 unter www.rki.de/adimon​

6. BMBF (2022). Was ist BNE? Zugriff am 30.11.2022 unter https://www.bne-portal.de/bne/de/einstieg/was-ist-bne/was-ist-bne.html

7. Our common future (Brundtland-Kommission) (1987). Zugriff am 30.11.2022: https://www.are.admin.ch/dam/are/de/dokumente/nachhaltige_entwicklung/dokumente/bericht/our_common_futurebrundtlandreport1987.pdf.download.pdf/our_common_futurebrundtlandreport1987.pdf